FS Global Weather X: Die Wetterküche für Anspruchsvolle!

Wetter und Wettererscheinungen waren in der Flugsimulation immer etwas, das mit einer Prise Salz gegessen werden musste. Seit dem auf dem Internet verfügbare Winde und Wetterdaten vorhanden waren, war daher die Konstruktion von Wetter Engines eine mehr oder weniger erfolgreiche Sache. FS Global Real Weather geht hier nun einen neuen Weg, der sich ausgesprochen vielversprechend anhört.

Wettergeneration im Flugsimulator ist ein lange gelebter Leidensweg vieler Flugsimulanten. Die meisten Engines gehen hier von den im Netz verfügbaren Daten wie Flugplatzwetter und einigen Datenbanken mit Höhenwinden aus und konstruieren damit ein Wetterszenario. Seit Microsoft selber damit anfing, von Jeppesen Daten zu beziehen und diese auch in Realzeit in den Simulator zu laden, war es eingeschränkt möglich, auch auf Langstrecken endlich Höhenwinde zu haben, die einigermassen der Realität entsprachen. Am Boden sah das Ganze aber anders aus. Die dort zur Verfügung stehenden Wetterphänomene waren eher rudimentär, was vor allem damit zusammenhängt, dass die zu Grunde liegenden Wettermeldungen schlicht nicht die Informationen erhalten, die notwendig sind um eine realistische Wetterdarstellung zu erreichen.

Bernd Podhradski und Stefan Schäfer nervte das. Und wenn speziell Stefan was nervt, tut er auch was dagegen. So entstand in seiner PILOT’S Software das wohl beste Höhenmodell der Welt, dass als FS Global heute den Standard in Sachen Landschaftsdarstellung setzt. Jeder, der nicht gerade in topfebenen Gebieten wie Holland oder den Great Plains der USA fliegen möchte, kommt um diese Produkte kaum herum. Nun sollte es das Wetter sein, welches endlich auf einen Standard kommen sollte, wo die Sicht aus dem Fenster auch dem entspricht, was im Flusi zu sehen ist. Ein hochgestecktes Ziel.

 

In der Folge kamen von Stefan immer mal wieder theoretische Fragen an mich, der ja in den letzten Jahren in diesem Feld arbeitet. Und je länger die Fragen kamen und desto spezifischer sie wurden, desto mehr begann ich zu ahnen, dass hier wirklich mit der wissenschaftlichen Kelle angerichtet wird und zwar mit der grossen!

 

Sauwetter auf Probe gefällig?

 

Vor dem Blick in die in den letzten Wochen doch eher deprimierend aussehende Wetterlandschaft kommt die Probe. PILOT’S hat entschieden, dass die Software erst mal ausprobiert werden kann, bevor man sie kauft. Ein löbliches Unterfangen, denn damit kann nachher keiner sagen, er wusste nicht auf was er sich eingelassen hat. Und der Kaufentscheid fällt damit umso leichter, wenn man mit eigenen Augen sehen kann, was das Teil anrichtet!

 

Download und Installation ist leicht und problemlos. Der Download geht derart fix, dass man beim ersten Mal meint, das kann nicht sein dass der schon fertig ist. Das Programm(chen) hat gerade mal ein Downloadvolumen von nicht mal einem MB. Ja, richtig, MB. Nicht Giga, sondern Mega. Denn FSGRW, wie das Produkt abgekürzt zeigt, bringt „nur“ das wirklich wesentliche, nämlich die Wetter Engine. Wolkentexturen enthält sie nicht. Wie schon beim Höhenmesh FS Global und den Folgeprodukten beschränkt man sich also auf die Lösung des anvisierten Problems.

 

Wer FSGRW nutzen will, braucht FSUIPC von Peter Dowson. Stellt die Installation fest, dass dieses fehlt, wird es umgehend heruntergeladen und installiert, was wohl bei gut erzogenen Flusiasten selten der Fall sein sollte. Ohne FS UIPC läuft nämlich nicht gerade viel. Und wer dem Flusi in die Wetterküche eingreifen will, hat nur diese Möglichkeit.

 

Einmal installiert, läuft das Programm ausserhalb des Simulators. Das eigentliche Interface ist an Einfachheit kaum zu überbieten.  Die Optionen, die sich einstellen lassen, sind ebenfalls kurz und bündig. Handbuchmuffel vortreten: Hier wird gleich vor Ort geholfen. Jede Option ist fein säublerlich angeschrieben. Meist kann man schlicht alle Haken auf „EIN“ hauen, genau deswegen kauft man das Teil ja. Und hier darf man auch, nicht wie beim Flusi, wo „alle Regler Rechts“ normalerweise den Inhabern ultimativer Rechner vorbehalten ist.

 

Im Hauptmenu sind die Optionen auch recht gut verständlich. Man kann entweder einzelne Datensätze, also eine Momentaufnahme des Wetters, laden oder man kann sich regelmässige Updates ziehen lassen. Schön: Man kann ebenfalls historische Sätze laden oder eigene abspeichern um sie später zu verwenden.

 

Jetzt aber fliegen gehen!

 

Oder auch nicht. Denn die Umsetzung des Wetters durch FSGRW ist schlicht ein total  neues Kapitel in Sachen Flusiwetter. Was in den letzten Tagen und Wochen auch oft hiess, was der Flusi von FSGRW als Wetter geladen kriegte, war genauso wüst wie draussen. Was aber auch der Sinn ist davon. Was nun ist da wohl anders als beim Standard Wetter?

 

Beispiel 1: Im Zürcher METAR steht „CAVOK“. Artig bringt der Flusi nun strahlenden Sonnenschein und kein Wölkchen in seinem Wetter. Nicht so FSGRW: Richtig erkennt dieses, dass CAVOK keineswegs Wolkenfrei heisst sondern lediglich „unterhalb der grössten Minimum Sector Altitude“. Die BKN in 20‘000 ft werden von FSGRW aber korrekt dargestellt. Schon mal ein Aha Erlebnis der gröberen Sorte.

 

Beispiel 2: Im Metar steht „OVC030“. Also auf 3000 ft über Grund eine geschlossene Wolkendecke. Microsoft bringt hier meist eine Stratusbewölkung, bei FSGRW wird die Bewölkung aus anderen Faktoren ermittelt. Ist es ein Stratus, bringt auch FSGRW den Stratus, ist es aber eine SC Decke, ist auch die zu sehen.

 

Die beiden hier gezeigten Beispiele stammen von Bernd und Stefan (die sie auf meine Bitte gemacht haben). Sie zeigen sehr gut, was ich damit meine. In Los Angeles und Innsbruck sieht man hier anhand der Webcam, der FS X Standard Wetter Engine und was FSGRW macht. Der Unterschied ist brutal! Wo FS X ein paar Wolken und sonst Schönwetter zeigt, haut FSGW richtig rein und tut das, was im echten Wetter auch da ist.

 

 

Die hier beigelegten Bilder sind von Bernd Podhradski im Rahmen der Testserien gemacht worden und zeigen deutlich besser als jegliche sonstigen Screenshots, was dieses Programm leistet. Daher habe ich sie hier beigelegt. Man beachte den Unterschied zwischen reinem FS Wetter und dem FSGW Wetter und Vergleich zur Webcam.

 

So geht es weiter. Grundsätzlich kann man sehr schnell erkennen, dass FSGRW von viel mehr Daten und Modellen profitiert wie dies je ein anderes Wetterprogramm getan hat. Eine Vision, die ich vor Jahren schon mal hatte, rückt damit näher: Den FS als Virtuelle Webcam nutzen um zu sehen, was an einem Ort von dem ich keine echte Webcam habe los ist. Bisher total sinnfrei, dieser Versuch, mit den Resultaten von FSGRW ein Quantensprung in diese Richtung.

 

Es geht aber noch weiter. Nicht nur holt sich FSGRW viel mehr Daten, nein, es wird auch an lokalen Wetterphänomenen immer weiter gebastelt. Bisher sind es nur einige wenige, aber je länger die Entwickler arbeiten, desto mehr Vorschläge werden umgesetzt. Föhn in Innsbruck? Bora in Dubrovnik? Den trickreichen Anflug in Madeira? Alles schon da, weiteres kommt. Die aktuell vorhandenen sind auf der Pilots Webseite einsehbar.

 

Aber nicht nur auf dem Boden geht was ab: Auch in der Luft passiert vieles. Die Upper Air Winde sind auf Modelldaten gerechnet und damit homogen und ohne die gefürchteten Windsprünge, die beim FS so bekannt sind. Weil eben Modelle zum Einsatz kommen, ist auch weltweit mit akkuraten Winden zu rechnen, selbst dort wo noch kein Wetterballon je aufgestiegen ist.

 

Nach nur wenigen Versuchen und Testflügen wird mir als in der Branche seit nunmehr 12 Jahren tätiger sehr schnell klar: FSGRW ist reines Dynamit auf diesem Gebiet. Eine derart reale Darstellung des Wetters habe ich persönlich noch nie gesehen in einer Simulation, ganz zu schweigen in einer dem generellen Publikum zugänglichen. Der wissenschaftliche und von Meteorologen unterstützte Ansatz ist hier bereits nach sehr kurzer Zeit zu erkennen und verblüfft jeden Tag von neuem.

 Mein Fazit ist daher sehr recht einfach zusammenzufassen:

Viele Produkte behaupten, Reales Wetter zu können. FS Global Real Weather IST reales Wetter!

Wie bei anderen Genussmitteln muss aber einschlägig vor Suchtgefahr gewarnt werden! Wer Wetter einmal mit FSGRW gesehen hat, wird nichts mehr anderes wollen. Nie mehr. In die Wetterküche des Flugsimulators ist endlich ein 5 Sterne Koch eingezogen!

Kaufempfehlung? Das grösste JA welches ich je einem Produkt gegeben habe.

Urs Wildermuth

 

Pro und Contra

Pro: Beste Wetter Engine im heutigen Markt, sowohl innerhalb der Flugsimulation wie auch ausserhalb.Mit allen MS und Lockheed Simulatoren Kompatibel.Fantastische Wetterdarstellung in jeder Hinsicht.
Contra: Nichts

 

Entwickler: Pilot’s
Vertrieb: Pilot’s
Website: www.fly2pilots.com
Kompatibilität: FS9/X/P3D

Related posts