Carenado: Die Beech King Air 200 – Klein, aber oho!

Die Beech King Air 200 ist ein relativ kleiner Flieger, der trotzdem bei den großen mitmischen kann. Carenado hat nun, nach der C90B, ein weiteres Turbopropflugzeug umgesetzt. Verfügbar für FSX und Prepar3D ist dieses Flugzeug nun auch am heimischen PC Zuhause.

Schon seit 1984 in Produktion ist die B200 eines der älteren Flugzeuge von Beechcraft. Trotzdem sind heute noch mehrere tausend von ihnen rund um den Globus in Betrieb. Mit ihrer Druckkabine und den zwei PT6A-42-Triebwerken schafft sie Geschwindigkeiten von bis zu 300 Knoten und kann bis auf 30 000 Fuß steigen. Dafür haben immer noch acht bis zehn Personen (je nach Konfiguration) Platz. Mit einer Reichweite von 2954 Kilometern können aus Deutschland auch exotischere Ziele wie Nordafrika oder die Türkei ohne Zwischenstopp erreicht werden. Dazu trägt unter anderem die Ausstattung bei, mit zwei GPS, einem Multifunktionsgerät sowie weiteren Optionen lassen sich auch weitere Strecken vergleichsweise einfach bewältigen.

 

Installation und Handbuch

 

Nachdem für gute 40 US-Dollar (30,50 Euro) die 151 Megabyte an Flieger auf die Festplatte gewandert sind, gestaltet sich die Installation für FSX-Benutzer einfach. Man kann auswählen, ob in den FSX oder P3D installiert werden soll. Dann wird noch nach der E-Mail sowie dem Serial gefragt und die Daten gelangen auf die Festplatte.

Insgesamt kommen 30 Seiten englisches Manual zu wichtigen Systemen wie den GPS und dem Multifunktionsgerät. Weiter gibt es 36 Seiten an Checklisten, für normale und abnormale Prozeduren. Dazu dann noch 34 Seiten Performance Tables. Diese sind dafür da, die Motoren und Propeller richtig zu steuern. Auf den 34 Seiten gibt es für jede erdenkliche Situation die richtigen Einstellungen. Dies hängt immer von Höhe, Gewicht und weiteren Faktoren ab. Mit dem perfekten Setting erreicht man dann auch die beste Geschwindigkeit bei geringstem Verbrauch. Dies allein ist eine Wissenschaft für sich, für die auch ich einige Zeit gebraucht habe, bis ich sie verstanden habe. Schade finde ich, dass in den Tabellen mit Fachbegriffen gearbeitet wird und für Einsteiger nicht wirklich erkennbar ist, was man nun einstellen muss. Eine Erklärung, wie man auf die errechneten Werte kommt, wäre hier sehr hilfreich! Im Simobjects-Ordner gibt es außerdem noch die Möglichkeit, das Reality XP GPS 530 mittels eines Installers zu integrieren.

Auf in den FSX

Anfangs stehen acht Bemalungen zur direkten Auswahl, davon eine mit deutscher Kennzeichnung (DIDRT). Bevor wir uns auf einen kleinen Rundflug begeben, steht ein virtueller Außencheck an. Bei diesem kann man die von Carenado gewohnt gestochen scharfen HD-Texturen bewundern. Bei diesen gibt es wirklich nichts zu bemängeln, überall wurde genau gearbeitet. Ich konnte keine Unschärfe entdecken. Jede Niete in der Verkleidung lässt sich erkennen. Zu dem Augenschmaus trägt bestimmt auch die ausgezeichnete Modellierung bei. Es gibt kaum Ecken und Kanten, überall wurde exakt gearbeitet. An den Rädern lassen sich diverse Leitungen erkennen und auch der Fahrwerksschacht muss sich nicht verstecken. Die Qualität setzt sich an den anderen Modellen fort, alle acht Bemalungen sehen toll aus. Nachdem über ein Extrafenster, das über die Tastenkombination Umschalt + 5 erreichbar ist, die Remove-before-Flight-Anhänger sowie die Wheelchocks entfernt wurden, geht es zurück ins VC. Auf dem Weg dorthin passieren wir die voll modellierte Kabine, in der sich mein positiver Eindruck weiter fortsetzt. Es gibt viele Spielereien, so lassen sich Tische ausklappen oder Fenster verdunkeln. So kommt im Reiseflug keine Langeweile auf. Auch hier wieder tolle Texturen, die Ledersitze haben leichte Abnutzungsspuren und Risse. Aber nun geht es weiter in unseren Abschnitt des Fliegers: das Virtual Cockpit. Hier wartet eine Mischung aus Uhrenladen und Bildschirmen auf uns. So sind die Triebwerksinstrumente noch analog, während GPS, Avidyne (Multifunktionsgerät) und das gesamte EFIS digital sind. Auch der Höhenmesser ist nur noch halb analog, so ist nur noch der Hintergrund eine feste Grundlage, während Zeiger und Anzeige der Höhe schon voll digitalisiert sind. Mir gefällt diese Mischung von neu und alt. Auf dem Panel sind kleine Risse und Verfärbungen verteilt. Dadurch wirkt das Cockpit wieder etwas authentischer. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Spielereien, so sind Scheibenwischer beweglich und auch eine Sonnenblende kann man positionieren. Bis auf einige lassen sich alle Knöpfe bedienen, wobei ungefähr 10 Prozent nur eine Dummy-Funktion haben, also im Flieger selbst nichts bewirken. Nachts sieht das Panel sehr gut aus, es leuchtet leicht Neon-blau. Dies ist aber nicht wie beim Vorgänger, der C90B, sehr grell, sondern dezent gehalten. Bei mir verhalten sich die Frames bei diesem Vogel in Ordnung, um die vier Bilder gehen verloren, wobei ich dies bei einem größeren und vor allem schönen Vogel gerne toleriere.

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Feuertaufe

Den ersten Flug mit der B200 habe ich direkt auf IVAO durchgeführt. Vorher bin ich schon oft mit der C90B, die systemtechnisch fast gleich aufgebaut ist, durch den virtuellen Himmel geflogen. Daher war keine großartige Einarbeitung in die Systeme mehr nötig. Das standardmäßig eingebaute GPS kann leider nur einen FSX-Standardflugplan aufnehmen und ich habe auch keinen Weg gefunden, die Navdaten via Navigraph zu aktualisieren. Daher empfehle ich eine Nutzung mit den RealityXP-Instrumenten. Beim FSX-Flugplan kommt für mich nur die VOR-zu-VOR-Flugweise in Frage, da die Datenbanken des FSX bekanntlich ja schon stark veraltet sind. Nach dem Laden der Maschine stellen wir als Erstes die Motoren ab. Nach dem Einschalten der beiden GPS-Geräte erscheint auch schon unsere Route auf dem GPS und Avidyne. Unsere Route führt heute von München nach Köln über die WLD, TAU und COL VORs. Da wir nicht direkt nach dem Start in Richtung des Walda VORs fliegen werden, sondern erst Höhe gewinnen, fliegen wir den ersten Abschnitt manuell. Also lassen wir die Motoren an. Dabei sind die mitgelieferten Checklisten sehr hilfreich. Beim Starten fällt mir auf, dass die Motoren viel zu leise sind. Ich musste die Lautstärke fast komplett aufdrehen, um ein akzeptables Ergebnis zu erreichen. Als ich dann in die Außenansicht geschaltet habe, habe ich mich richtig erschrocken, da der Sound der Triebwerke auf einmal sehr laut war. Hier stimmt das Mixing also noch nicht ganz. Nach dem Start, für den das Flugzeug übrigens nur eine vergleichsweise kurze Strecke braucht, erheben wir uns in den süddeutschen Himmel. Im GPS lässt sich einfach ein „Direct“ eingeben. Dann müssen nur noch der Autopilot aktiviert, die verschiedenen Modi angewählt und eine Höhe vorgewählt werden. Danach arbeitet das Autoflight normal und ohne Probleme. Ab Passieren von 7000 Fuß fange ich an, an den verschiedenen Hebeln des Throttle zu arbeiten. Hier werden nun nach der Performance Table die entsprechenden Werte eingestellt, um möglichst sparsam und doch schnell voranzukommen. Hauptsächlich muss dafür an der Propellerverstellung gearbeitet werden. Wenn man nach der Tabelle vorgeht, erhält man auch identische Ergebnisse, die meiner Meinung nach auch zu dem Flugzeugtyp passen. Nach rund 45 Minuten müssen wir unsere Höhe von 17 000 Fuß auch schon wieder verlassen. Uns steht ein ILS-Anflug auf die Piste 24 bevor, bei diesem werde ich die Autoland-Fähigkeiten der Beech austesten. Nachdem wir das COLA VOR passiert haben, geht es direkt zum ILS. Die Frequenz wird über das GPS eingestellt, der Kurs auf dem Autopilotenpanel. Trotz eines recht flachen Winkels, mit dem wir auf den Localizer zufliegen, überschießt die Maschine diesen und muss wieder korrigieren. So geht das eine ganze Zeit, die Maschine eiert etwa ein bis zwei Minuten um das ILS herum, bis sie sich komplett ausgerichtet hat. Dies ist schon störend und teilweise auch nicht akzeptabel. Also fliege ich das ILS von Hand weiter. Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten liegt der Flieger ruhig in der Hand, wobei er bei leichtem Seitenwind dazu neigt, schnell auszubrechen. Wie auch in der Realität muss man vorausschauend fliegen, da die Turboprops träge reagieren. Es gibt auch einen „500“-Callout, der mir allerdings sehr ausgeschnitten vorkommt und nicht wirklich in die Soundkulisse passt. Der Verbrauch stimmt ziemlich genau mit dem aus den Tabellen errechneten überein.

Auch bin ich mit diesem Flieger schon längere Strecken geflogen, auf diesen lief der Autopilot akkurat und versagte nicht.

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Fazit

Für Bilder- und Videomacher ist die Beech King Air 200 von Carenado genau das Richtige. Die umwerfenden Texturen, die genaue Modellierung und das tolle Virtual Cockpit legen bestimmt eine ausgezeichnete Grundlage für tolle Screenshots und Videos. Aber auch für die Streckenflieger unter uns, die mit diesem Flieger ernsthaft arbeiten wollen, ist die King Air durchaus geeignet. Für einen gelegentlichen Flug durch eine ORBX-Szenerie finde ich sie dann aber doch zu teuer.

 Max Mertznich

 

Entwickler: Carenado
Vertrieb: Carenado
Website: Carenado.com
Kompatibilität: FSX/P3D
Download: 151 MB
Preis: 40 $ (etwa 30,50 €)

 

Pro: Genaue ModellierungBrillante TexturenGroße Auswahl an HD-Texturen

Einfach zu bedienendes GPS

Umfangreiche Dokumentation und viele Tabellen

Tolles Virtual Cockpit

Viele kleine Spielereien

Gute Frames

Zufriedenstellender Autopilot

Contra: Leiser Sound im VCTeilweise nicht passende SoundsFehlerhaftes Autoland

 

 

 

Tutorial (Englisch)

 

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