Cirrus SR22T: Der Überflieger landet im Flugsimulator

Cirrus Design ist wohl eine der wenigen wirklichen Erfolgsstorys in der General Aviation in den letzten Jahren. Gegründet in den 90er Jahren von den Brüdern Dale und Alan Klapmeier produziert die Firma seit 1995 die vornehmlich aus Kohlefasern hergestellte SR-Serie. Diese mit einem Gesamtrettungssystem ausgestatteten Flugzeuge gewannen sehr schnell eine große Benutzerbasis und wurden außerordentlich populär.

Cirrus Design begann mit der Erprobung des neuartigen Flugzeugs 1995 und zertifizierte die erste Ausgabe, die SR20, 1998. Diese mit einem Continental IO-360-ES ausgerüstete Maschine wurde ursprünglich mit konventioneller Instrumentierung, aber von Anfang an mit einem Avidyne-Multifunktionsdisplay (MFD) ausgeliefert. Spätere Varianten erhielten das Avidyne Flight Max Cockpit, ein vollelektronisches EFIS-System, das mit zwei Garmin-GNS430-GPS-Geräten und meist mit einem S-TEC-55X-Autopiloten ergänzt wurde. 2001 zertifizierte Cirrus Design die stärkere SR22 mit einem 310 PS starken Continental-IO550N-Triebwerk. Diese Maschine war als Konkurrenz für die Columbia 400 gedacht, die zu diesem Zeitpunkt mit Höchstgeschwindigkeiten um 220 kt Furore machte. Die SR22 erreichte diese Geschwindigkeiten nicht, wurde aber dennoch ein Riesenerfolg. Mit 190 kt TAS und einer Reichweite von 800 NM flog die wie alle Cirrus-Flugzeuge mit starrem Fahrwerk ausgerüstete Maschine der Konkurrenz, außer der Columbia und der Mooney Acclaim, davon.

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Über die Jahre wurde die SR22 ständig gepflegt und zur heute aktuellen G3 entwickelt. Diese hat standardmäßig ein Avidyne-Cockpit, als Option ist jedoch das Garmin-Perspective-Cockpit erhältlich. Die turbogeladene SR22T folgte 2010. Diese bisher schnellste Cirrus hat eine Topspeed von 214 kt in 25 000 ft. Sie ist es, die Carenado sich hier vorgenommen hat.

 

Die gesamte Reihe von Cirrus-Flugzeugen ist allerdings auch Gegenstand teilweise heftiger Kontroversen innerhalb der General-Aviation-Szene. Dies hat vor allem mit einer Häufung von Unfällen zu tun, die der Cirrus in einigen Kreisen den Ruf eines neuen „Doctor Killers“ einbrachten. Diese Bezeichnung hatte in alten Tagen die Beech Bonanza inne, die mit ihrem für die Zeit revolutionären Design viele der damaligen Piloten überforderte, einige davon Ärzte, die sich mit der Bonanza ein schnittiges Flugzeug leisten wollten. Eine in den USA ausgeführte Studie bescheinigt der Cirrus zwar keine absolut höhere Unfallrate, die Anzahl der Unfälle, die tödlich verlaufen, ist jedoch alarmierend hoch. Die Theorie geht in die Richtung, dass Piloten wegen des CAPS-Rettungsfallschirms höhere Risiken eingehen, als sie dies mit konventionellen Flugzeugen tun würden, dann aber gleichzeitig davor zurückscheuen, den CAPS auch auszulösen, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Dies hat vermutlich auch damit zu tun, dass normalerweise nach einer CAPS-Auslösung das Flugzeug trotz „sicherer“ Rückkehr zur Erde ein Totalschaden ist.

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Trotz dieser Kontroversen sind die Cirrus-Flugzeuge, vor allem die der neuesten G3-Reihe außerordentlich beliebt. Dennoch geriet Cirrus im Strudel der Weltrezession in Schieflage, die mit dem aufsehenerregenden Schritt beendet wurde, Cirrus an den chinesischen Staat zu verkaufen. Unter den kapitalkräftigen Chinesen, die Dale Klapmeier als CEO zurückholten, hat Cirrus heute wieder eine solide finanzielle Basis und hat soeben die neue Generation G5 der SR20 und 22 angekündigt und setzt den Bau des Cirrus Jets, eines einmotorigen Personal Jets, weiter fort.

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Phantastische Grafik!

 

Die graphische Umsetzung der SR22T durch Carenado ist wie eigentlich immer bei der Firma spitze. Es gibt fünf verschiedene Bemalungen zur Auswahl und das Finish der Texturen und des virtuellen Cockpits ist sehr gut. Auch Besatzungen gibt es, die Animationen passen und der grafische Eindruck verdient großes Lob.

 

Flugleistungen: Man hat dazugelernt.

 

Meinen Testflug flog ich in einer für eine Turbomaschine nicht gerade typischen Höhe von 6000 ft. Dort leistete die Cirrus gute 170 kt, was perfekt den Handbuchdaten entspricht. Das Fluggefühl selber ist recht gut, die Maschine reagiert willig und mit viel Elan auf die Steuereingaben. Sie lässt sich sowohl am Boden wie auch in der Luft daher ohne Probleme steuern. Die Instrumentierung und grafische Darstellung des Cockpits ist einmal mehr genial, lediglich die Bedienung des Gemischreglers braucht etwas Fantasie, denn dieser versteckt sich unter dem Knauf des Gashebels. Da nützt wohl auch der Lean Assistent nichts, wenn man die Mixture nicht bedienen kann. Glück hat, wer einen Yoke oder sonstigen mechanischen Gemischregler hat. Die Motorenbedienung ist, abgesehen davon, ein Traum. Auf dem MFD des Garmin-1000-Cockpits ist sogar der Lean Assistent eingebaut, der das perfekte Abmagern des Gemisches ermöglicht.

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Carenado und die Elektronik …

 

Carenado hat sich mit der SR22T damit eines der heute populärsten General-Aviation-Flugzeuge vorgenommen und dies erst noch mit dem optionalen Garmin-G1000-Perspective-Cockpit ausgerüstet. Dies dürfte aber vor allem daran gelegen haben, dass die Avidyne-Cockpits auf dem Flusimarkt nicht existieren, während eine Urversion des G1000 im FSX bereits enthalten und daher recht bekannt ist. Carenado machte sich also daran, dieses System aufzumotzen und damit dem in der Cirrus eingebauten System nahezukommen.

 

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieser Versuch muss als gescheitert beurteilt werden, obwohl in dem vorliegenden System doch recht viele Dinge implementiert wurden, die das originale FS G1000 nicht kann. Dies soll auch durchaus positiv gewertet werden. Was aber das G1000 zum Spielzeug macht, ist, dass es nicht möglich ist, mit dem System Flugpläne zu erstellen oder zu ändern. Das G1000 zeigt zwar zuvor geladene Flugpläne an und folgt ihnen auch, ist aber nicht in der Lage, diese zu modifizieren, SID/STARs einzufügen und so weiter. Damit ist sein Einsatzspektrum heftig eingeschränkt, kann es doch nur das, was auch in der Microsoft’schen Cessna und Mooney eingebaut ist, zumindest in dem außerordentlich wichtigen Bereich. Normalerweise hilft sich Carenado hier, indem es die Benutzer auffordert, Reality-XP-Nachrüstelektronik zu verwenden, was hier aber nicht geht.

 

Obwohl das Garmin-Cockpit generell schön gemacht ist und wie schon gesagt viele Zusatzfunktionen aufweist, stellt sich die Frage, ob man hier nicht gescheiter die Schiene via Avidyne-Cockpit mit den GNS 430W gefahren wäre, was immerhin den Einsatz der Reality-XP-Geräte ermöglicht hätte. So aber ist das G1000 der Cirrus ein Potemkinsches Dorf, ebenso wie es das schon in anderen Carenado-Produkten war.

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Autopilot: gut geworden.

 

Der Autopilot, angelehnt an den dem G1000 angebauten G700, macht seine Arbeit erstaunlich gut. Die normalen Funktionen funktionieren, ebenso macht der Flight Director eine gute Arbeit. Erwähnenswert ist der Level-Knopf, der im echten Flieger dazu dient, das Flugzeug aus jeder Lage in einen stabilen Horizontalflug zu bringen. Dies funktioniert hier sehr schön.

 

Handbücher: ja, aber.

 

Die beigelegten Handbücher sind im PDF-Format in einem Carenado-Verzeichnis im Flugsimulator zu finden. Wieso Carenado es bis heute nicht nötig findet, diese mit einer Programmgruppe zu verlinken, wird sein Geheimnis bleiben. Die Handbücher sind im üblichen Stil und recht vollständig, auf jeden Fall ausreichend für dieses Add-on.

 

Fazit: gemischt.

 

Die Cirrus von Carenado ist ein sehr schön aussehendes und recht gut fliegendes Flugzeug. Die Tatsache, dass leider beim G1000 gepfuscht wurde, lässt den Gesamteindruck aber fallen. Carenado würde gut daran tun, auf Glascockpit-Flieger zu verzichten und sich stattdessen Flugzeugen mit konventioneller Instrumentierung zu verschreiben, anstatt bei jedem Add-on erneut gegen die Wand zu knallen.

 

Wem die Navigationsfähigkeiten des G1000 nicht wichtig sind, der möge zugreifen. Wer realistisch operieren will, muss warten, bis entweder Carenado oder sonst wer ein nachrüstbares G1000 hervorbringt.

 

Urs Wildermuth

 

Pro:

Ausgezeichnetes visuelles Modell

Sehr schöne Texturen
Gut ergänztes G1000-Cockpit bis auf die Navigation
Gute Performance und Flugeigenschaften

Contra:

Garmin-G1000-Cockpit kann keine Flugpläne editieren, ändern oder verarbeiten … nur Flusipläne gehen;
CAPS ist nur als Mode Reset eingebaut

Entwickler:    Carenado
Vertrieb:    Carenado
Kompatibilität:    FSX
Preis:    34 US-$

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