Review: Aerosofts Airbus Reloaded!

Kaum ein Produkt hat in den letzten Monaten einen derartigen Hype verursacht wie Airbus X Extended von Aerosoft. Hauptgrund waren wohl die ständigen Ankündigungen, immer neue Teaser waren im Forum des Herstellers zu sehen. Dennoch passierte lange Zeit gar nichts, was bei vielen zu bissigen Kommentaren führte. Kurz vor Weihnachten erschien die Downloadversion dann urplötzlich doch. Wer gleich am ersten Nachmittag versuchte, den Airbus aus dem Onlineshop herunterzuladen, sah sich mit langen Wartezeiten konfrontiert, da die Kundschaft offenbar zahlreich und zeitgleich zugriff. Dennoch erhielt ich meine Version zügig und ohne Probleme. Würde Aerosoft die doch sehr hohen Erwartungen erfüllenkönnen?

 

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In der Flugsimulation ist der Airbus A320 seit langem ein Wunschprodukt, an dem sich viele Produzenten die Zähne ausbissen. Standard der vergangenen Jahre waren hierbei die Wilco-Produkte, die nun aber auch schon in die Jahre gekommen sind. Danach gab es weitere Versuche, die, wenn überhaupt, nur in Teilbereichen überzeugen konnten. Als Aerosofts Airbus X vor zwei Jahren erschien, hatte ich das Vergnügen, die Review dafür zu schreiben. Produktmanager Mathijs Kok und sein Team hatten sich damals das Ziel gesetzt, einen Airbus zu kreieren, der primär auf Anfänger ausgerichtet war, aber durch genialen Sound und Grafik überzeugte. Dies ist damals auch gelungen. Kritikpunktwar jedoch vor allem die Tatsache, dass die Vereinfachungen, die dem Flusipiloten die Arbeit erleichtern sollten, genau das Gegenteil taten, indem man wesentliche Teile der Airbus-Philosophie schlicht und gewollt unter den Tisch fallen ließ. Bei mir verschwand Airbus X schnell wieder in der Versenkung.

 

 

 

 

 

Als Konsequenz kündigte Aerosoft dennunerschienenen Airbus X Extended an, der nun auch für die anspruchsvolleren Gemüter Befriedigung schaffen sollte. Dazu wurde ein großer Teil des Codes offenbar neu programmiert und das Produkt faktisch völlig neu aufgesetzt. Bereits die im Voraus bekanntgewordene Palette der neuen Features versprach einiges. So sollten nun ein vollständiges FMGC sowie die kompletten Managed Modes, sowohl lateral als auch vertikal, zur Verfügung stehen. Ebenso wurden die Zusatzprogramme wiederLoad Editor und Airbus Connect X erweitert und umgebaut. Entstanden ist ein Produkt, das technisch mit dem ursprünglichen Airbus X primär noch Sound und Grafik, die damaligen Glanzpunkte, gemeinsam hat, aber mit einem völlig neu aufgebauten Cockpit daherkommt.

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Das Produkt enthält eigentlich zwei Varianten aus der A320-Familie, nämlich die A320 selber und den längeren Bruder A321. Beide Flugzeuge kommen mit IAE- und CFM-Varianten der Triebwerke.

 

Installation und erste Tests

 Der gut 900 MB große Download kam erstaunlich zügig auf die Festplatte. Ebenso zügig verlief die Installation, die erfreulicherweise auch auf den AerosoftLauncher verzichtet. In der Airbus-X-Extended-Programmgruppe finden sich danach der Load Manager und ein Ordner mit recht umfangreicher Dokumentation. Diese beinhaltet eine Einführung in das Produkt in Englisch und Deutsch, diverse Prozeduren sowie eine Systemerklärung. Die wichtigsten Dokumente jedoch sind die Step-by-Step-Anleitungen für einen Einführungsflug. Dazu später noch mehr. Was in der Doku fehlt, aber teilweise durch den Load Editor und andere Zusätze abgefangen wird, sind Performancedaten. Die Navigationsdaten können sowohl durch Aerosofts Navdata Pro als auch durch Navigraph aufdatiert werden.

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Sehr gute Grafik und toller Sound

 

Wie bereits in der Vorgängerversion glänzt auch die Extended-Version mit einer sehr guten Grafik und ausgezeichnetem Sound. Auch Bemalungen und drei 3D-Modelle für die A320 sind dabei, das eine davon mit sogenannten Sharklets sowie ebenfalls zwei Sharklet-Versionen für die A321. Bemerkenswert sind die Animationen, die weit über die normalen Flight Controls und Türen hinausgehen. So ist zum Beispiel simuliert, wie sich die Triebwerke im ausgeschalteten Zustand mit dem Wind drehen (windmilling). Auch im Cockpit gibt es viel zu entdecken: Fenster können geöffnet, das Tischchen herausgezogen und der Magnetkompass ausgefahren werden, dies sind nur einige der neuen Animationen.

 

Der Sound war bereits in der ersten Ausgabe eine sehr gute Wiedergabe der reellen Sounds, aufgenommen in Simulatoren und nach Angaben von Mathijs Kok auch im realen Flugzeug. Das hat sich hier nicht geändert. Lustig sind neu dazugekommene Cockpitsounds der Besatzung, die wie normale Menschen auch mal niesen, sich bewegen und Geräusche verursachen. All diese Geräusche können über ein Einstellungsmenü bedient werden.

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Konfiguration und Tools

 Airbus Extended X kommt mit einem hübschen Konfigurationstool in Form der MCDU 2 daher. Auf dieser MCDU auf der Kopilotenseite können zahlreiche Funktionen konfiguriert oder aktiviert werden. Die MCDU 2 ist daher die eigentliche Steuerung des Simulators. Zunächst einmal können dort Panel States geladen, aber auch eigene abgespeichert und später verwendet werden. Dies ist ein sehr gutes Feature, das vor allem für wiederholte Flüge oder auch Training Sessions hilfreich ist, sicher aber auch dem Ziel von Kok entgegenkommt, den Flieger eben auch für Anfänger populär zu machen. Neben Cold und Dark gibt es dort defaultmäßig die Situationen für rollbereit, bereit zum Start, Reiseflug und so weiter. Lädt man einen solchen Status, wird der Flieger entsprechend konfiguriert, das heißt alle Systeme aufgesetzt, ohne aber die MCDU und Flight Controls. Speziell bei Testflügen, wie wir sie machten, will man nicht ständig von Cold und Dark aus anfangen beziehungsweise will man oft Dinge tun, wie mehrfach zu starten und zurückzusetzen. Hierfür ist diese Funktion optimal.

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Eine weitere Seite auf der MCDU 2 konfiguriert die Türen, eine dritte die Ground Services wie External Power und Hindernishütchen. Wenn External Power über eine GPU gewählt wird, steht diese danach auch visuell vor dem Flieger. Bei Dockstrom direkt vom Terminal ohne Generator ist das nicht der Fall.

 In den Optionen können nun vielfältige Einstellungen für den Simulator getroffen werden. So steuert manhier zum Beispiel, welche Sounds hörbar sein sollen, Kabinenbesatzung, Cockpitbesatzung, ATC sowie das Enhanced GPWS. Hierbei istATC nicht wirklich hilfreich, der Rest ist hingegen sehr schön und sollte aktiviert werden. Im Sichtmenü kann unter anderem der Virtuelle-Cockpit-Sichtkontroller aktiviert werden, der danach im Cockpit zur Verfügung steht und ähnlich wie in einem 2D-Cockpit einen schnellen Zugriff auf diverse Sichtkonfigurationen bietet. Insgesamt sind 16 solcher Sichten vordefiniert.

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Das Checklistensystem ist eine der interessanten Features der A320 Extended. Mit diesen automatischen Checklisten kann man einen virtuellen Kopiloten dazuschalten, der auf Abruf die Checklisten liest und sie auch ausführt. Zusammen mit den Panel States ist das eine gewaltige Unterstützung und eigentlich auch recht realistisch, da hiermit ein Assisting Pilot zur Verfügung steht. In der eigentlichen Ausführung sind die Checklisten manchmal fast etwas zu autonom, so dass Funktionen mitgemacht werden, die eigentlich Aufgabe des Kommandanten wären, ohne dass dieser einen Einfluss darauf hat. Die Vorteile überwiegen jedoch. Gelesen werden die Checklisten von einer Kopilotin. Dieses System sorgt für viel Spaß und trägt zum positiven Gesamtbild des Simulators bei.

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Des Weiteren steht in der MCDU 2 ein Flight Data Recorder, programmiert von Thomas Molitor, zur Verfügung. Ist er aktiviert, werden diverse Parameter des Flugs für die spätere Auswertung durch ein separates Tool in der Programmgruppe aufgezeichnet. Von diesem Tool aus, das einige Flight-Keeper-Funktionen enthält, kann man sich den Flug danach auch zum Beispiel in Google Earth ansehen.

 

Ein sehr schönes Feature ist, dass man den Flug vor dem Top of Descent oder auch vor dem nächsten Wegpunkt anhalten lassen kann. Auch das wird über die MCDU 2 gesteuert.

 

Der Einführungsflug nach Checkliste

 

Die Step-by-Step-Anleitung führt durch einen Flug von Frankfurt nach Wien und soll den Benutzer mit den Eigenheiten der A320 vertraut machen. Ich kann diesen nur empfehlen, denn auch Nutzer, denen die A320 bekannt ist, kennen die Features dieses Airbus nicht. Und diese sind vielfältig. Vor allem ist Aerosoft der Philosophie treu geblieben, dass eben nicht nur Experten diesen Vogel fliegen können sollen, sondern auch „Normalpiloten“. Dies wird durch automatische Checklisten und eine Kopiloten-Automatik bewerkstelligt, die, wenn aktiviert, einen Großteil der Arbeiten des nicht fliegenden Piloten erledigt. Diese Einrichtung ist ganz famos, man muss aber genau die Sequenzen einhalten, um sie nicht zu verwirren.

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Gemäß der Anleitung setze ich den Flieger via MCDU 2 auf „Cold and Dark“. Wie bereits erwähnt, dient die MCDU 2 vornehmlich dazu, das Sim-Add-on zu managen. Hier finden sich ebenso die Panel States, die gespeichert und geladen werden können, der Zugriff auf Optionen, Ground Services sowie die Türsteuerung. Hier werden auch die Checklisten und Kopiloten-Automaten gestartet oder eben deaktiviert, falls man den Flug ohne jegliche Hilfe selbst durchführen will. Für diesen Flug will ich all dies testen und aktiviere beide Hilfsfunktionen. Darauf erscheint im oberen Teil des Fensters eine Hinweisleiste, dass nun die Cockpit Preparation Checklist mit der Taste 1 gestartet werden kann. Gesagt, getan und nun konfiguriert eine virtuelle Kopilotin den ganzen Flieger so weit, dass ich mich nur noch mit der Eingabe der MCDU 1, also Initialisierung und Flugplan, beschäftigen muss. An sich eine gute Sache. Die Eingabe in die MCDU erfolgt ebenfalls nach Anleitung, jedoch kenne ich diese ja bereits von verschiedenen Simulatoren und auch der echten A320, wo ich oft genug zuschauen konnte. Was ich hier gesehen habe, entspricht dem Original weitgehend, jedoch sind einige Hilfsfunktionen enthalten. So werden die V-Speeds zum Beispiel automatisch berechnet und eingefügt, sobald die Landeklappenstellung angegeben worden ist. Das ist praktisch, wer es genauer mag, kann diese aber jederzeit überschreiben. Auch sonst sind einige Funktionen automatisiert. Grundlegendster Unterschied zur Version 1 hingegen ist jedoch, dass sie jetzt mehrheitlich alle vorhanden sind! Ebenso wesentlich ist der Unterschied, dass nun eine komplette Navdatenbank zur Verfügung steht, mit allen SID/STARs, Airways und so weiter. Dies war bekanntlich einer der größten Kritikpunkte der Vorgängerversion, hier jedoch lässt die Navdatenbank nicht mehr viel zu wünschen übrig.

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Ich gehe den weiteren Checklistenablauf durch, stehe aber an, da AES aus irgendwelchen Gründenbei meinem Versuch steckenblieb. Also mache ich den Push Back und Engine Start manuell. Um danach die Checklistenfunktion wiederzubeleben, lade ich den Panel Status „Taxi“ und tatsächlich, die Checkliste funktioniert wieder. Der Start der Motoren und auch das Rollen am Bodengestalten sich problemlos. Die Checkliste vor dem Start geht automatisch los, wenn man entweder den Rollhalt erreicht oder sie manuell aufruft. Nach dieser empfiehlt es sich jedoch, speziell das Autopilotenpanel nochmal zu checken, da hier merkwürdige Werte drinstehen. Ich korrigiere dies, setze den LNAV Mode auf Managed und auch die Speed, die hier auf 250 kt gesetzt ist, setze ich auf Managed. Nun kann es losgehen.

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Der Start ist konventionell, die Triebwerke hingegen beschleunigen individuell! Dies muss beachtet werden. Daher sollte das Gas nicht einfach reingehauen werden, sondern erst mal auf circa 50 Prozent N1 hochgefahren, danach gewartet, bis beide Motoren synchronmit von der Partie sind, und erst danach auf den gewünschten Startmodus TOGA oder Flex. Für den ersten Start nehme ich TOGA. Die Maschine beschleunigt etwas gemächlich, rotiert mit einem heftigen Zug am Steuer, danach ist sie aber sehr schön zu fliegen. Das Fly-by-Wire funktioniert recht gut, eine einmal gehaltene Fluglage wird nachverfolgt. Jedoch erscheint der Flieger oft etwas zu träge.

 

Nach dem Erreichen der Reiseflughöhe erfolgt ein weiterer Check, man hört auch entsprechende Kabinenansagen. Der Reiseflug verläuft unauffällig, man hat Zeit, sich mal umzusehen und Verschiedenes auszuprobieren.

 

Descent und Anflug sind wieder normal, auch hier wird von den „Assistenten“ viel gemacht. Ein gekoppelter Anflug mit Autoland ist perfekt gehalten und auch gut gelandet. Vor allem im manuellen Anflug jedoch ist das sehr träge und schwammige Verhalten der Flight Controls wieder hervorstechend und sehr störend. Nach dem Verlassen der Piste ist bereits die Landecheckliste zur Hand, hat man sorgfältig und vorsichtig eingeparkt, folgt sofort die Shut-Down-Liste.

 

Der erste Testflug hinterlässt einen guten Eindruck. Diverse Dinge, die in ersten Tests von anderen Benutzern gesehen wurden (Fehlen der Top-of-Descent-Marke im ND etc.) traten hier nicht auf, allerdings ist der vertikale Pfad im ND nicht angezeigt. Interessant war jedoch, dass nach der Landung in der Außenansicht diverse Texturen nicht mehr angezeigt wurden, so waren vom AI Traffic nur noch die Lichter zu sehen und beim Flugzeug selber fehlte der Stabilizer! Offenbar braucht der Airbus ganz schön Arbeitsspeicher, was sich aber nicht auf die Frameraten auswirkt. In den Foren wird hier ein bereits von PMDG propagierter Fix empfohlen, der das Memoryhandling des FSX positiv beeinflussen soll. Ich installiere diesen und tatsächlich taucht danach das Problem nicht mehr auf.

 

Testflug zum Zweiten, ohne Anleitung

 

Um den Eindruck zu bestätigen, führe ich den Flug von Salzburg nach Zürich weiter. Diesmal aber will ich ohne die Anleitung und rein mit den Checklisten durchkommen, was auch möglich sein sollte. Um den Flusi zu resetten, starte ich den Flug aber neu, ebenso mit einem anderen Flieger. Ich wähle die Bemalung der Edelweiss Air. Nun steht der Flieger im Feierabendmodus mit laufenden Motoren da, ich kann also einfach auf der MCDU 2 den Take-off-Status laden und muss dann lediglich noch das FMS füttern, was ich gern mache. TRAUN Departure und danach MANAL, Airway L856 nach NEGRA, NEGRA Arrival. Das Ganze geht schnell und problemlos von der Hand, ebenso auch der Rest wie Performance. Das FMGC unterstützt hier tatkräftig, was den Feierabendfliegern sicher zugutekommt, auch wenns den Realismus etwas einschränkt, ohne aber falsche Werte oder Funktionen zu simulieren. Take-off auf Piste 15 in LOWS, der Flight Director macht wunderbar den Turn, der von Hand auch sehr einfach zu fliegen ist. AP 1 ein und relaxen.

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Doch da ist eine orangefarbene Warnung. Automatischer Fuel Transfer geht nicht. Oben am Overhead Panel leuchtet ein Fault, ich schalte die Fuel Distribution auf Manual und alles geht wieder. Unterwegs mache ich mal ein paar Tests mit dem Fly-by-Wire. Sowohl der 30° als auch 66° Bank Test ist okay. Die Flight Envelope Protections arbeiten sauber. AP wieder aufgeschaltet und die Route wird fortgesetzt. Die Kopilotin spricht ihre Checks, auch das geht wieder prima. Doch was haben wir für eine Registrierung? HB-IHJ? Nee, kann nicht sein, von außen ist es richtigerweise die HB-IHY, also kleine Verwechslung. Na ja, also wenn’s weiter nichts ist. ?

 

Auf diesem Flug können wir auch mal das TCAS testen, denn hier herrscht heftig Verkehr. Ein Jumbolino kommt auf gleicher Höhe daher, geht gar nicht. Wir folgen der Resolution Advisory, wie vom TCAS befohlen, und sinken. Passt prima.

 

Im Anflug bekommen wir Probleme: Ich füge von AMIKI aus eine Lateral Revision mit einem Holding in den Flugplan ein. Das wird auch so weit korrekt in den FPLN eingetragen, nur eben an die falsche Stelle, nämlich nach dem nächsten Wegpunkt anstatt davor. Muss händisch wieder korrigiert werden. Dann noch ein Versuch, nun geht das Holding Entry (Direct) klaglos. Exit nach einem Holding ebenso. Allerdings passt nun der spitze Winkel im Anflug nicht, irgendwo hat die Datenbank hier ein Problem. Ich fliege daher ein Downwindleg im HDG Mode und erst danach wieder auf das ILS 14 zu. Das klappt dann wieder. Ein handgeflogener ILS ist ebenfalls problemlos zu machen, ebenso die Landung.

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Ein dritter Testflug endet dann mit einem Crash to Desktop, dies nach einem Go Around. Zuvor aber einmal mehr ein absolut fehlerloser Flug von Zürich nach Altenrhein, Approach und low GA geht auch, kurz nach dem GA will ich den Flieger von außen anschauen und sehe nur die Innereien, danach kracht es. Im Verlaufe meiner Tests geschieht dies mehrmals, jedoch weniger, wenn der HighMemFiximplementiert ist. Dennoch, der Airbus scheint gewaltig Speicher zu fressen und produziert bei fett ausgerüsteten Flusis offenbar immer mal wieder bei überladenen Situationeneinen Absturz des Programms.

 

Das kann ein Problem dieses Add-ons sein, muss es aber nicht. Ich kenne ähnliche Probleme von der PMDG MD11 damals auf Vista (läuft heute gut) und der Concorde von FS Labs, die das auch auf meiner aktuellen Maschine macht (I7, Win 7 64 Bit und 8 GB RAM). Der von PMDG propagierte HighMemFix (in der Grafiksektion der fsx.cfg wird die Linie Highmemfix=1 eingetragen) schafft dort Abhilfe, hier beim Airbus Extended scheint er eine deutliche Verbesserung zu bringen, jedoch die Abstürze nicht ganz verhindern zu können.

 

Zwischenzeitlich habe ich auf dem Airbus X Extended weitere Flüge absolviert, zu 90 Prozent ohne Probleme. Der einzige CTD, den ich noch produzieren konnte, geschah, nachdem ich den Airbus über zwei Tage lang einfach stehen ließ mit angeschaltetem Groundpower und Flugsimulator. Ansonsten habe ich mittlerweile doch einige Flüge gemacht, die ohne Zwischenfälleverliefen. Der Airbus geht umso besser von der Hand, je länger man ihn fliegt – unabhängig davon, ob man mit der Unterstützung der Checklistenautomatik und des Kopiloten fliegt oder ohne.

 

Kleine Fehler erhöhen die Erwartung aufs Service Pack

 

Es gibt einige kleinere Dinge, die nicht so schön funktionieren, soweit mir aufgefallen ist. Es fehlen der Green Dot (best glide speed) auf dem PFD-Speedband sowie die vertikale Guidance (Ablageanzeige vom Managed Vertikalprofil im ND). Unschön, aber nicht wirklich problematisch, sollte indes bei Gelegenheit durch ein Update nachgereicht werden. Die Implementierung der Holding-Funktion muss von ihren Kinderkrankheiten befreit werden, bis dahin einfach saumäßig aufpassen. Fliegen kann er die Holdings, nur baut er sie mitunter falsch ein. Warum der Airbus das tut, habe ich nicht herausgefunden.

 

Bei einem Versuch, nach einem Flug gleich ohne Restart einen neuen zu starten, kam es jedoch zum Crash to Desktop. Das mag der Airbus offenbar gar nicht – man muss also jedes Mal den Flug komplett beenden und neu starten. Auch das bedarf dringend einer Updatekorrektur, denn mehr als einen Flug hintereinander zu fliegen ist eigentlich normal ops.

 

Das sind aber Kleinigkeiten, die eigentlich nicht der Tatsache im Weg stehen sollen, dass hier im Vergleich zur Erstausgabe ein massiver Sprung nach vorn gelungen ist. Airbus X vor zwei Jahren war als solcher nur visuell und soundmäßig als Airbus zu erkennen, war dort Spitze, aber den Rest konnte man mehr oder weniger als Schlag ins Wasser abtun. Die heutige Situation ist eine völlig andere. Das ist nun ein Airbus, wie man ihn kennt, mit korrektem FMGC, korrektem Fly-by-Wire und mehrheitlich korrekter Navigation. Die Probleme, die noch vorhanden sind, sind dabei deutlich kleiner als diejenigen vergleichbarer Produkte, die teilweise erst mit Service Packs überhaupt zu verwenden waren. Nach drei Flügen innerhalb eines Tages sowie einer Testsequenz zusätzlich kann ich für mich feststellen, dass der Flieger mit Sicherheit auf der Platte bleibt, wo er wohl den in die Jahre gekommenen Wilco-Bus ablösen wird.

 

Bleibt ein Fazit. Für mich hat der Airbus X Extended nun den Stand erreicht, den er eigentlich von Anfang an verdient gehabt hätte. Mit seiner hervorragenden Grafik und Soundkulisse war er nämlich in der Version 1 schon attraktiv. Für Simmer, die einigermaßen etwas von Airbussen verstehen und sei dies nur, dass sie die alten Phoenix- oder Wilco-Busse kannten, durch die Systemkastrierung damals unbrauchbar, hat sich nun gewaltig etwas geändert. Das FMGC und die Systeme sind aufbereitet worden und entsprechen nun zum recht großen Teil denen des echten Flugzeugs. Die Systemtiefe ist nun prinzipiell auf einem Niveau, wo man von einem anspruchsvollen Add-on reden kann, das mit seinen diversen Unterstützungsfunktionen sowohl für Anfänger als auch für Flugsimulatorprofis viel hergibt. Luft nach oben im Bereich Systemtiefe gibt es natürlich immer. Nur ist das Ziel nicht, einen Full Flight Simulator zu echten Pilotentrainingszwecken zu erwarten. Ich gehe schwer davon aus, dass die eigentlich doch eher kleineren Probleme aktiv angegangen und mit einem Service Pack behoben werden können. Warten braucht man deswegen aber eigentlich nicht, denn wenn auch einige Forenkoryphäen hier zur Hochform auflaufen, derartige Showstopper sind das nicht. Da hab ich bei anderen Add-ons der „Königsklasse“ ganz andere Dinge erlebt.

 

Grundsätzlich gefällt mir der heutige Ansatz des Airbus sehr viel besser als der der ersten Version. Es scheint, als ob sich Aerosoft die damaligen Kommentare zu Herzen genommen und nun das getan hat, was dringend notwendig war: nämlich dem damaligen Spielzeug ein Airbus-Herz zu verpassen. Dieser Schritt ist definitiv gelungen. Und wenn man sieht, welche Features da noch vorhanden sind, aber zurzeit noch etwas im Versteckten oder nur im Ansatz, darf man echt gespannt sein, was da noch kommt.

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Ob es wohl richtig war, den Airbus mit einigen Kinkerlitzchen vor Weihnachten zu releasen? Ich meine ja, die Entscheidung war gut und vertretbar. Denn solange man entwickelt, wird es immer kleinere Bugs geben, die man aber schlussendlich deutlich besser in den Griff bekommt, wenn der Druck des Erstreleases erst einmal verflogen ist. Verglichen mit entsprechenden Produkten der Konkurrenz sehe ich hier kaum ein wirkliches Problem. Unter Umständen wäre auch der Druck nicht so groß geworden, hätten sich die Ankündigungen etwas weniger cliffhangermäßig präsentiert. So wurde absichtlich eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut, die dann eben sehr schwer in einem Erstrelease zu befriedigen ist.

 

Airbus X Extended ist für mich ein deutlicher Erfolg einer Airbussimulation, die bisher wohl zu den besten gehört, die es zurzeit gibt. Daher kann ich das Add-on durchaus empfehlen. Wer auf den perfekten Bus warten will, mag dies tun. Ich kann nur wiederholen, was ich seit doch einigen Jahren sage, ich persönlich fliege lieber jetzt den 99-Prozent-Bus, als meine Jahre damit zu vergeuden auf einen 120-Prozent-Bus zu warten, der irgendwann mal kommt. Meine Erfahrung auf dem Wilco-Bus hat mir hier sowohl bei diesem Test als auch bei diversen Full-Flight-Sim-Flügen auf der A320 sehr geholfen. Airbus X Extended wird dies ebenfalls tun, er bietet auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck davon, was es heißt, einen Airbus zu fliegen. Und darum geht es hier ja schließlich.

 Also kann ich nur sagen, viel Spaß damit!

 

Urs Wildermuth und Markus Halle

Beide Autoren verfügen über reale Flugerfahrung, Markus ist aktiver Co-Piloten bei einer deutschen Fluggesellschaft.

Bilder: Daniel Graf

 

  Pro und Contra
Pro Ausgezeichnete Grafik und SoundkulisseSehr gute Unterstützung durch Dienstprogramme und DokumentationGute Simulation der Airbus Systeme und PhilosophieDurchdachtes KonzeptLaden/Speichern von Flugzuständen 
Contra: Speicherintensiv, kann zu CTDs führenFly-by-Wire schwammig und träge, aber in den Grundzügen korrektes VerhaltenHotfix nur via Login im Forum erreichbar 

 

  Bewertungen (min. 7, max. 15) Punkte
  Installation 9/10
  Flugdynamik 8/10
  Avionik 8/10
  Systemtiefe 06/10
  Außenmodell 10/10
  Steuercharakteristik 05/10
  Virtuelles Cockpit 10/10
  Autopilot/FMGC 8/10
  Sound 10/10
     
  Bewertung 8.8/10

 

 

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