Review: Heraklion X

So wie in Griechenlands Staatskasse herrschte auch im FSX jahrelang Ebbe, wenn es um die Einfallstore in das Land der Antike ging. Doch seit einiger Zeit geht es zumindest im virtuellen EU-Staat bergauf, nach und nach erscheinen teils grandiose Umsetzungen der Flughäfen im Südosten Europas. Nachdem FlyTampa den Hauptstadtflughafen Athen herausgebracht hat, liegt die Messlatte für die Konkurrenz definitiv höher. Aerosoft vertreibt neben dem Meisterwerk rund um die Akropolis auch die beliebtesten Urlauberflughäfen. Neu in der Reihe ist Heraklion X, einer von zwei Airports auf der Insel Kreta, die zu den größten im Süden Europas gelegenen Inseln gehört.

Erworben werden kann die Szenerie wie gewohnt als Download im Aerosoft-Shop für 19,95 Euro. Der Download umfasst separate Installationsprogramme für FSX und Lockheed Martin’s Prepar3D. So viel darf man für den Kaufpreis auch erwarten, unterscheiden sich beide Simulatoren überhaupt nur sehr wenig. Nachdem der knapp 300 Megabyte große Installer auf dem heimischen PC gelandet ist, kann es auch schon weitergehen. Nicht neu, aber in letzter Zeit doch sehr ungewöhnlich für Software aus dem Hause Aerosoft: Es wird keine Internetverbindung vorausgesetzt, auf eine Onlineaktivierung wurde also verzichtet. Dennoch unternimmt die Installationsroutine einen kleinen Versuch, dem Käufer den Aerosoft-Launcher unterzujubeln, das Häkchen lässt sich aber einfach wieder herausnehmen und Heraklion X kann ohne Launcher genossen werden.

Neben den Szeneriedateien finden sich im Installationsverzeichnis auch noch – wie vom Paderborner Vertrieb gewohnt – ein Handbuch und ein Konfigurationsprogramm. Das Handbuch fällt allerdings enttäuschend mager aus, 10 Seiten, dann auch nur auf Englisch – Charts sucht man vergeblich. Fast schon lächerlich wirkt der Hinweis, bei einer großen Suchmaschine die Worte „LGIR“ und „CHARTS“ einzugeben. Das gehört definitiv nicht mehr zum guten Ton, hier sollte dringend nachgebessert werden.

Umso erfreulicher sind die ersten Blicke über das Vorfeld des virtuellen Airports Nikos Kazantzakis. Sofort erkenne ich die Details wieder, die ich vor zwei Jahren bei einem realen Flug nach Kreta erlebt habe. Das Areal rund um das Terminal ist nicht besonders groß, zu den Seiten hin finden sich die typischen Lärm- und Hitzeschutzgitter in ihrer rot-weißen Farbgebung. Gegenüber vom Terminal liegt die Start- und Landebahn, die mit ihren 2,6 Kilometern parallel zur Küstenlinie verläuft. Gekreuzt wird die 09/27 von der knapp ein Kilometer kürzeren Asphaltbahn 12/30. Beide Landebahnen sind schön umgesetzt, die Texturen sind stimmig, wenn an einigen Stellen auch leicht schwammig – Gleiches gilt für den Apron und die Rollwege. Die Szenerie verfügt über ein hochaufgelöstes Luftbild, das auch am Rande des Airportgeländes keineswegs aufhört: Die Szeneriedesigner haben sich die Mühe gemacht, auch noch das umliegende Stadtgebiet umzusetzen und realitätsgetreu anhand der Fototapete nachzubilden. 3D-Gebäude ohne Ende. Das Interesse ist geweckt, es wird Zeit in den Flieger zu steigen und die Insel Kreta einmal aus der Luft zu erkunden. Auf dem Weg zur Runway staut es sich etwas, in Heraklion kann es eng zugehen, wie scheinbar überall an griechischen Touristenairports. Nachdem wir den ersten Platz am Holding Point angenommen haben und der nächste Touristenbomber nach einem engen Final an der Cockpitscheibe vorbeigedonnert ist, geht es auch für uns los. Cleared for takeoff, die Startbahn hinunter Richtung Hafen. Nachdem wir erste Höhenmeter gewonnen haben und das Fahrwerk eingefahren ist, lässt sich die Stadt Heraklion zu unserer Linken beobachten. Unglaublich viele der kleinen Häuser im typisch griechischen Baustil werden unter uns immer kleiner. Zur anderen Seite das Meer, RealEnvironment Xtreme tut seinen Dienst und versetzt die virtuellen Passagiere in Staunen. Die Performance der Szenerie ist trotz der vielen 3D-Objekte erstaunlich gut, ohne Ruckeln lässt sich selbst der Anflug mit seinen steilen Kurven problemlos meistern. Zurück am Airport rollen wir wieder zum Terminal, die nächsten Urlauber warten bereits im spartanischen Terminal des Heraklion International Airports auf ihren Flieger zurück in die Heimat.

Mit Heraklion X bekommt man eine solide Szenerie mit vielen Details, vor allem im Umland, was leider eher eine Seltenheit ist. Die Performance ist gut, die Qualität der Texturen auch. Heraklion ist definitiv eine virtuelle Reise wert, Kaufempfehlung!

Florian Schlund

Infokasten
Entwickler: Aerosoft
Vertrieb: Aerosoft
Website: www.aerosoft.de
Kompatibilität: FSX, P3D
Download:
Preis: 19,95 Euro (inkl. MwSt.)
Pro und Contra
Pro:
  • Performance
  • Details
Contra:
  • Handbuch
Bewertungen (min 7, max 15) Punkte
Modellierung 9 /10
Texturen 9 /10
Luftbild 9 /10
Objekte 9 /10
Performance 9 /10
Umgebung 10 /10
Details 8 /10
Handbuch 5 /10
Ergebnis: /10

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