Review: AeroflyFS und die Rückkehr einer Bergziege

Erinnerungen

Diese Bergziege werde wohl ich sein, schon seit ich denken kann, bin ich ein Bergwanderer und Bergliebhaber. Falls du denkst, hier ein normales Review über einen Flugsimulator zu lesen, denk nochmal nach. Vielleicht sollte ich dir erzählen, dass ich die Schweiz als das Land meiner Jugend betrachte, jeden Sommerurlaub habe ich dort verbracht, 16 Jahre hintereinander, vielleicht verstehst du das jetzt. Die Schweiz verbinde ich mit vielen Erinnerungen, vielen intensiven Erinnerungen. Das Wort „Schweiz“ allein lässt mein Gehirn schon viele Reaktionen auslösen.

Ich rieche das frisch gemähte Gras und das Heu auf dem Hang unter unserem Chalet, das heiße Öl und den Dampf der Brienzer Rothorn Bahn, den Asphalt unter uns, schmelzend in der heißen Julisonne, den Teer und das Öl von dem alten Dampfschiff, das über den Thuner See fährt. Ich höre das Quietschen des alten eisernen Sesselliftes, das Rattern der Rollen auf den Stützen. Das Hecheln, als wir auf das 2000 Meter hohe Niederhorn klettern, das x-te Mal, das Pfeifen des Zuges, welcher den Interlakener Bahnhof verlässt, wie die Jets über das Heimwehfluh donnern, in Richtung der Spitze Niesen, und wie sie dann im blauen Dunst verschwinden. Wenn ich meine Augen schließe und an das Berner Oberland denke, sehe ich klar und deutlich Eiger, Mönch und Jungfrau, diese drei majestätischen Berge, die wir uns all die Jahre von unserem Balkon angesehen haben. Auch sehe ich die Steile Klamm von Lauterbrunnen, das Schloss von Thun, Vaters alten Rucksack, die Spielsachen und die Sandfläche neben unserem Haus …

Aber was hat diese persönliche und private Reise mit dem AeroflyFS zu tun, oder mit allem in einem Flugsimulator-Magazin? Was kümmern euch die Gerüche, Geräusche, Aussichten und Gefühle eines kleinen Jungen vor 45 Jahren?

Na ja, AeroflyFS wird auch dich in manche dieser Ausblicke bringen, und das, wenn du in deinem Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büro sitzt, wo immer du auch deinen Flugsimulator aufgebaut hast.

Ja, das ist spektakulär!

Die Bilder sind so unglaublich scharf und die Bewegung deines Flugzeugs so fließend. Der kleine Zähler in der Ecke meines Bildschirms blinkt „135 fps“ (frames per second). Beim Hochfliegen des Berghangs von Interlaken in einer Cessna erkennt man jede Straße, jeden Weg, jedes Haus und sogar jeden Stein, genau wie ich mich an sie erinnere, ausgelassen einige neue Hotels. Und was verrückt ist: Wenn ich dort langfliege, kommen in meinem Kopf direkt diese Namen auf, die Namen, die ich für dreißig Jahre vergessen habe!

Ich sehe Beatenberg, das Niederhorn, das Gemmenalphorn, das Birrenfluh sowie das Justis-Tal. Unter mir sehe ich Unterseen, Spiez auf der anderen Seite des Sees, die Straße, die durch Leisigen führt, und die Bahnschienen, die dieser folgen. Aber ich muss mich gar nicht an diese Namen erinnern, denn AeroflyFS hat ein schlaues Extra, versteckt hinter der Tastenkombination Shift + F. Dies lässt dich alle Namen auf dem Bildschirm sehen. Jede Stadt, jedes Dorf und jeder Gipfel hat seinen Namen und wird angezeigt.

Ich will mehr!

So fliege ich also mit der F18-Hornet mit dem vertrauten weißen Kreuz mit der roten Flagge auf dem Heck hinauf zum Eiger. Der Aletsch-Gletscher liegt schon hinter mir, weiter ins Rhone-Tal. Alles ist da. Ich kann der Passstraße hoch nach Grimsel folgen, die Seen auf dem Pass sehen, in der grauen und weich polierten Landschaft sehen, typisch Grimsel halt. Ich sehe in das Rhone-Tal in Richtung Sion auf der rechten Seite und links den Furka-Pass und den Rhone-Gletscher.

Sogar das Hotel und den Parkplatz nahe dem Gletscher kann man leicht erkennen. Wir haben dort unser Motorrad geparkt, das ist nur zwei Jahre her!

Was ist AeroflyFS?

Es ist im Grunde ein neuer Flugsimulator, entwickelt von der deutschen Firma Ikarus aus Schramberg-Waldmössingen im Schwarzwald, irgendwo auf halber Strecke zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Aber er ist nicht so neu, wie manche denken werden, da der Besitzer der Firma, Norbert Grüntjens, seine „RC Flight School“ schon in den 70er Jahren startete. Seitdem entwickelten sie ein Programm, das helfen sollte zu lernen, wie man ein RC-Modell fliegt, und dieses Programm nennt sich Aerofly (es befindet sich jetzt schon in der fünften Version). Eine spezielle Website dafür lässt sich hier finden:

http://www.aerofly.com/index.html.

AeroflyFS ist teilweise eine Ableitung von diesem, zielt aber jetzt auf den Markt der Flugsimulator-Fans ab, statt auf den der RC-Fans. Der Simulator deckt die ganze Schweiz, mit extrem hoch aufgelösten Mesh und sehr tollen fotorealistischen Texturen, basierend auf Luftaufnahmen. Mit einem beinhalteten Flugzeug darüber zu fliegen macht Spaß, vor allem wenn du auch weißt, was du dir gerade anguckst! Und wo wir gerade über die beinhalteten Flieger reden … das ist es, was man für 39,99 Euro bekommt:

  • Cessna 172 Skyhawk
  • Jodel Robin DR 400 / 140 B Major
  • Pitts S-2B
  • Extra 300 LX
  • Discus bM Motorsegler
  • Swift S1 Segelflieger
  • McDonnel Douglas F/A-18 Hornet
  • Sopwith F1 CamelDrei davon mag ich besonders: die Robin, weil ich sie selbst geflogen habe und ich sie oft in Frankreich sehe (wo wir in den Sommermonaten leben), die F/A-18 Hornet, weil es ein guter Weg ist, große Distanzen zurückzulegen und trotzdem alles scharf zu sehen, und den Motorsegler! Dieser verspricht eigentlich den meisten Spaß im „Simulator“, da du auch noch was anderes tun musst, außer über die Landschaft zu fliegen und sie sich anzusehen. Denn dies ist einer der Nachteile von AeroflyFS (wie eigentlich auch vom MS Flight). Man muss nicht viel anderes machen, als das Flugzeug über die tolle Schweizer Landschaft zu bewegen.Und dies bringt mich direkt zum nächsten Punkt: Wie viel Simulator ist es eigentlich?

    Die Flugmodelle sind gut, soweit ich (und andere Piloten) dies beurteilen können. Das Team von Ikarus hatte nicht das Ziel, ein Spiel zu erstellen, sie wollten einen Simulator machen.

    Aber ohne ein Set von funktionierenden Instrumenten und ohne die Möglichkeit, diese Instrumente (und Schalter) auch wirklich zu nutzen, haben sie noch einige Wege in die „richtige“ Simulation offen. Sie versicherten mir allerdings, dass das Programm bestimmte „Hacken“ hatte, welche weitere Erweiterungen möglich machen sollen. Mehr Instrumente, mehr Funktionen, andere Flugzeuge und, natürlich, neue Regionen. Das ist gut.

    In der Welt bewegt sich nichts, keine AI-Flieger, dies erinnert mich an den MS Flight, dort bewegt sich auch nichts. Auch keine Bodenfahrzeuge. Und kein ATC. Das ist langweilig.

    Es gibt Autogen und 3D-Objekte auf dem Boden, und einige Flughäfen sind detailliert dargestellt, aber nicht alle.

    AeroflyFS hat ein großes Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft ist.

    Wie man ihn benutzt

    Das Hauptproblem bei diesem Simulator ist zurzeit, dass man nicht viel zu tun hat. Das entstammt natürlich der Sicht eines eingefleischten Simmers. Ein „realer“ Flug ist so noch nicht wirklich möglich.

    AeroflyFS ist (bisher) nicht darauf ausgerichtet, eher ist es ein Simulator, um schnell in die Luft zu kommen und die Schönheit der Schweiz zu erkunden, mit etwas Spaß, ohne viel über das Fliegen zu wissen. Das wirklich einfach gehaltene Benutzerhandbuch unterstreicht diese Vermutung.

    Mit „etwas Spaß“ meine ich drei Dinge:

    Das Erste spricht wohl eher die jungen und ungeduldigen Leute an. Man nimmt sich die F18, drückt den Gashebel nach vorne durch, bis der Nachbrenner anzieht, und schon fliegt man durch die Täler der Schweizer Alpen, in einer völlig gewissenlosen Art. Das Tolle an der Spielengine ist, dass alles scharf und im Fokus bleibt, anders als wenn man das Gleiche mit einer Hornet im FSX macht. Leider kann man nicht in Formation fliegen oder schießen, aber hey.

    Der andere, schon ernstere Teil des Spaßes ist, in eine Pitts oder Extra zu steigen und für haarsträubende Akrobatik abzuheben. Die Flugmodelle sind gut, und man kann viele der realen Manöver nachfliegen, mit den gleichen Folgen, wenn man etwas falsch macht.

    Es gibt auch einen Abschnitt, der mit „Herausforderungen“ benannt wurde. Dort lassen sich einige „Übungen“ finden, bei denen man durch grüne Tore gesteuert wird. Aber an was erinnert mich das?

    Als Letztes ist da noch das Segelfliegen. Das ist meiner Meinung nach das „Simulierteste“.

    Es gibt den Windenstart oder den direkten Start in der Luft. Es gibt auch einen Extraknopf, um den Flieger in der Luft zu positionieren. Auch kann man wählen, ob man die Thermik sehen möchte (angezeigt durch kleine Pfeile, die zeigen, wo der Wind weht) oder ob man sich lieber mit dem Variometer auf die Suche nach Thermik begeben möchte. Nicht einfach!

    Eine der tollsten Sachen im gesamten Paket ist der Motorsegler. In real bin ich nie einen geflogen, aber ich würde es gerne einmal tun. Stell dir die Freiheit des Segelns ohne Triebwerk und die hinzugekommene Freiheit vor, nur das Triebwerk auszufahren, wenn man keine Thermik mehr findet, und einfach in das nächste Gebiet weiterzufliegen. Ich hatte nur das Problem, keine Kontrolle über den Propeller zu haben, doch Ikarus hat versprochen, dort das Handbuch zu verbessern.

    Noch ein Tipp

    Es hat mich Stunden gekostet, herauszufinden, wie die Spoiler bei den Seglern funktionieren.

    Letztendlich habe ich entdeckt, dass sie mit dem Gashebel verbunden sind! Ich bin nicht sicher, ob ich es so eingestellt habe oder es von Anfang an so war, aber so ist es. Bei Vollgas sind die Spoiler eingefahren, im Leerlauf geöffnet! Also bin ich immer mit ausgefahrenen Spoilern gestartet!

    Das Triebwerk reagiert auf eine Taste, die man selbst einstellen kann. Dann reagiert es auf jeden Tastendruck. Einmal drücken – Triebwerk fährt aus. Dann mehrmals hintereinander drücken – Drehzahl erhöht sich. Zum Einfahren ist es genau andersherum. Ich hatte ein bisschen Probleme herauszufinden, wie man die Tasten einstellt und den verschiedenen Optionen zuzuordnen, bis ich entdeckt habe, dass man in der linken oder rechten Spalte klicken kann! Hier könnten auch die Anweisungen im Handbuch optimiert werden. Ikarus versprach auch das zu verbessern. Vielleicht war ich auch einfach zu ungeschickt.

    Mein Fazit

    Als Erstes, bitte nehmt zur Kenntnis, dass ich ein großer Fan der Schweizer Landschaft bin, vor allem von deren gebirgigem Teil. So bin ich etwas voreingenommen. Allerdings nur leicht, da ich ja jetzt auch schon seit etwa 38 Jahren Benutzer von Flugsimulatoren bin. Ich weiß, was ich an einem Sim mag, was ich einen Sim nenne und was ich ein Spiel nenne, und ich hoffe, dass ich weiß, was ihr Leser haben wollt. Auch das variiert in einem gewissen Umfang.

    Also, ist AeroflyFS ein Simulator? Ich würde sagen, in einigen Aspekten schon, aber es kann bestimmt noch ein „richtiger“ werden. Aber bitte vergleicht es nicht mit dem FS2004, X-Plane oder FSX. Trotz des Protests von Ikarus würde ich es mit dem MS Flight vergleichen. Ein begrenztes Gebiet (zur Zeit der Verfassung viel Größer als das von MS Flight), nur eine begrenzte Anzahl von Flugzeugen (auch hier wieder mehr als beim MS Flight), und es gibt nicht viel außer unser eigenes Flugzeug zu sehen. Aber, und das ist wichtig, falls Ikarus weitermacht und den AeroflyFS stetig verbessert, wie seine Hauptprodukte, dann wird er wahrscheinlich zu einem wundervollen Produkt werden, das wir unserer Sammlung hinzufügen könnten. Vielleicht kein Ersatz für den FSX, aber bestimmt etwas, was man haben muss!

    Ich für meinen Teil hatte richtig Spaß über meine geliebte Schweiz zu fliegen und habe viel Zeit verbracht Thermik für meinen Segler zu finden!

    Meine Beschreibung für das Produkt ist daher: Zukunftsträchtig!

    • Pros
    • Super für VFR über der Schweiz
    • Klasse, scharfe, fotorealistische Landschaft
    • Gute Framerate, keine Stotterer
    • Gute Segel-Simulation
    • Spaßiges Stunt-Fliegen
    • TrackIR Support, auch mit Maus möglich
    • Für PC und Mac
    • Cons
    • Keine interaktiven Cockpits
    • Nur Basisinstrumente dargestellt
    • Kein AI-Traffic oder Verkehr
    • Kein ATC
    • Keine Nacht oder Jahreszeiten
    • Kein Multiplayer

    Hersteller: Ikarus, Deutschland
    49,99 Euro
    Kompatibel: PC und Mac

    Informationen unter:

    http://www.aeroflyfs.com/index.php/en/everything-about-aereoflyfs/features.html

    Francois Dumas

    Übersetzung: Max Mertznich

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