Morgenröte am Flusi-Himmel: der aeroflyFS von Ikarus

Der Aerofly von Ikarus ist als Modellflugsimulator ein fester Begriff. Mit dem aeroflyFS bringt das Unternehmen nun den ersten Realflug-Simulator heraus, der von der Flight!-Redaktion beim Hersteller exklusiv getestet wurde. Vieles spricht dafür, dass nun die Karten in der Branche neu gemischt werden. Einen realistischen Flugsimulator zu entwickeln, ist eine äußerst komplexe und zeitaufwändige Angelegenheit. Nicht nur wegen der steigenden Erwartungen der Kundschaft. Das Produkt soll visuell begeistern, bedienerfreundlich und für eine möglichst breite Zielgruppe ansprechend sein. Diese Quadratur des Kreises scheint den Schöpfern des aeroflyFS Dr. Thorsten Hans und Dr. Marc Borchers mit ihrem Team aus weiteren Sport- und Berufspiloten und CAD-Programmierern gelungen zu sein.

Dieser Artikel erschien in der Januar-Ausgabe 2012 der Flight!.

„FS“ steht dabei nicht nur für Flugsimulator, sondern auch für „FullScale“ und den Anspruch einer fast 100%igen Nachbildung des realen Vorbilds und seiner Flugphysik. Trotzdem soll die Bedienung möglichst intuitiv und ohne tiefe Vorkenntnisse möglich sein, so dass sich der Benutzer vor allem aufs Fliegen konzentrieren kann. Ebenso benutzerfreundlich ist die Installation mit zwei Programm-DVDs.

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Kaum gestartet präsentiert sich eine Szenerie, die das Prädikat „fotorealistisch“ uneingeschränkt verdient. Diese besteht vorerst „nur“ aus der ganzen Schweiz, aber mit fast allen Flugplätzen mit einer Auflösung von bis zu einem Meter pro Pixel. Das ist rund doppelt so fein wie die gegenwärtige „Switzerland Professional“ für den FSX. Entsprechend belegt die Szeneriebibliothek satte 10 GB auf der Festplatte. Ebenso hochdetailliert sind die Flugzeuge. Der mitgelieferte Flugzeugpark hat für jeden etwas. Klassiker wie die Cessna 172 Skyhawk, Jodel Robin DR 400 oder als Warbird eine Sopwith F1. Kunstflugfans kommen bei der Pits S2B oder Extra 300 LX auf ihre Kosten. Gemütlicher kann man es mit dem Hochleistungssegler Discus bM angehen, der über ein Klapptriebwerk verfügt. Was ein kunstflugtauglicher High-End-Segler leisten kann, erfährt man am Steuerknüppel der Swift S1. Hierfür steht der Windenstart zur Verfügung. Für Jet-Fans ist die Schweizer Version der F/A-18 dabei. Hubschrauber glänzen mit Abwesenheit – sie sollen als Add-ons folgen. Alle Flugzeuge sind wie auch die 3D-Piloten und -Pilotinnen voll animiert. Die handgemachten Texturen sind von einem Foto kaum zu unterscheiden und beinhalten nebst allen realen Details auch Abnutzungsspuren. Die Instrumentierung wurde soweit möglich vollständig nachgebildet und beinhaltet bei einigen Modellen ein GPS oder Moving Map. Die Flugzeuge und deren 3D-Pilotenfiguren sind vollständig animiert. Die RealSound-Technologie sowie äußerst variable Wettereinstellungen machen die Illusion fast perfekt. Und so unglaublich es klingt: Auch ein durchschnittlicher PC liefert noch respektable Framerates. Hierfür kann die Grafikleistung der Hardware angepasst werden.

Bei den Wettereinstellungen geht es nicht nur um visuelle Effekte: Die jeweiligen Parameter wirken sich auf die Flugeigenschaften aus. So ist die Thermik auch von der topographischen Situation abhängig und nicht einfach ein voreingestellter „Lift“ in der Landschaft. Die jeweilige Flugdynamik ist völlig individuell und grundlegend anders als bei bisherigen Flugsimulatoren programmiert. Dazu gehören unterschiedliche Leistungsdaten wie die des Motors oder die Reaktion beim Lastwechsel oder beim Ausfahren der Landeklappen. Motor- und Windgeräusche sowie Warntöne sind ebenfalls originalgetreu. Realismus ist beim aeroflyFS im wahrsten Sinne des Wortes Programm: Denn so wurde zum Beispiel die Pitts S1 vom Eigner des Originals D-EUJS persönlich eingestellt! Da man vor dem PC nichts von seinen Flugkünsten spürt, möchte man sich umso mehr auf die Anzeige der Instrumente verlassen. Diese zeigen beim aeroflyFS reale Werte an und das Navigieren ist bequem mit der Darstellung der Moving Map in einem separaten Fenster möglich. Wo man gerade durchfliegt, kann man auch dank einer anderen Innovation erkennen: Per Tastendruck lassen sich die lokalen Städte- und Bergnamen einblenden. Auch Fluganfänger müssen keine feuchten Hände bekommen: Der Schwierigkeitsgrad lässt sich nach Bedarf anpassen oder man aktiviert einen virtuellen Kopiloten, der den Flieger auf Kurs hält. So kann man in aller Ruhe die Landschaft bewundern. Wer sein fliegerisches Können unter Beweis stellen will, dem stehen diverse Flugaufgaben bevor. Von Grundmanöver über Ziellandungen bis hin zum Segelflug oder Jet-Training kann man mit einer interaktiven Begleitung und Bewertung durch den aeroflyFS alles absolvieren und mit Bronze-, Silber- oder Goldpokalen abschließen.

Fazit

Ikarus präsentiert den aeroflyFS als Simulator für jedermann. Dafür spricht schon die einzigartige Auslegung für PC- und Mac-User. Aber es führte auch fast zwangsläufig zu Kompromissen, die im Widerspruch zum Realitätsbezug stehen. So ist es unerheblich, ob beim Start die Gemischverstellung richtig eingestellt ist. Das macht den Flugsimulator auch für unerfahrene Anwender attraktiv, die sich nicht durch seitenweise Flugtheorie wälzen möchten. Im Vordergrund steht das Fliegen, nicht das Fliegenlernen. Trotzdem kann der aeroflyFS gerade wegen seiner hohen Auflösung und Detailtreue bei heimischen Navigations- oder Prozedurentrainings gute Dienste leisten. Mit dem kompatiblen TrackIR4 pro und TrackIR5 kann dies wie auch beim normalen Rundflug intensiviert werden. Besitzer des Aerofly-Modellflugsimulators können sogar mit der mitgelieferten Steuerung oder ihrer eigenen fliegen. Laut Hersteller sind weitere Szenerien und Flugzeuge geplant. Was der aeroflyFS bietet, hat uns verblüfft und davon überzeugt, dass hier ein Produkt mit hohem Potenzial auf den Markt kommt. Beim moderaten Einführungspreis von 39,99 Euro für die PC- oder Mac-Version sollte man sich diesen Newcomer nicht entgehen lassen.

Markus Slattner

Der aerofly FS ist bei Amazon erhältlich.

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