Review: Ab in den Urlaub – Aerosoft Nizza X

Der Sommerurlaub steht an und die Reiseanbieter schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein mit „unschlagbaren“ Angeboten, sei es auf den Balearen oder im sonstigen Mittelmeerraum. Wir sehen uns heute einmal den Flughafen von Nizza an, der kürzlich von Aerosoft letztendlich auch für den „Alten“ veröffentlicht wurde.

In der Realität ist Nizza dank seiner mittlerweile fast zehn Millionen Passagiere jährlich nach den beiden Pariser Flughäfen Charles De Gaulle und Orly auf Platz drei der größten Flughäfen Frankreichs. Sieben Kilometer westlich vom Stadtzentrum Nizza gelegen bietet er nicht nur einen schnellen Transfer in die Innenstadt, sondern ist vielmehr auch als Helikopterlandeplatz für regelmäßige Shuttleflüge nach Monaco bekannt. Wer schon einmal in Nizza war, weiß, dass der Anflug zunächst im 90°-Winkel zur Landebahn über das Meer und bereits sehr früh in den Endanflug führt. Was man doch nicht alles zur Besänftigung der reichen Bevölkerung tut, die den lieblichen Klang von Flugzeugtriebwerken wohl so gar nicht mag.

1944 eröffnet verfügt der Airport heute über zwei Terminals und zwei parallele Pisten, die jedoch aufgrund ihres geringen Abstands nicht unabhängig voneinander genutzt werden können. Aus dem deutschsprachigen Raum ist Nizza bequem zu erreichen, beispielsweise bieten Lufthansa, Germanwings, Swiss und Austrian Non-stop-Flüge von München, Köln, Zürich, Wien und einigen anderen Flughäfen an. Interkontinental betrachtet hat Nizza mit Non-stop-Verbindungen unter anderem nach New York und Dubai eher wenig zu bieten.

Kauf, Installation und Handbuch

Wie immer stellt sich der Kauf in Aerosoft-Manier problemlos dar. 19,99 Euro für die Box-Version (bei Redaktionsschluss noch nicht erschienen) und 17,95 Euro für die Download-Version später findet sich der Installer auf meiner Festplatte. Auch die Installation ist Aerosoft-typisch. Anzumerken ist, dass Nizza zwar nicht mit dem Aerosoft Launcher aktiviert werden muss, aber nach der Installation von der Installationsroutine trotzdem gefragt wird, ob man den Launcher installieren möchte.

Das Handbuch ist mit fünfzig Seiten äußert großzügig gestaltet und bietet dem Kunden in deutscher, englischer und französischer Sprache Optimierungsmöglichkeiten sowie Informationen zur Szenerie und zum realen Flughafen.

Ab in den Urlaub

Mit Germanwings gehts von Köln Richtung Nizza. Nach rund eineinhalb Stunden Flug befinden wir uns bereits im gewöhnungsbedürftigen Anflugverfahren auf Nizza. Aus der Ferne gefällt mir der Flughafen schon sehr gut. Im FSX verwöhnt Aerosoft den Kunden über den Flughafen hinaus noch mit Autogen-Objekten der Stadtbesiedelung rund um den Flughäfen, FS2004-Benutzer kommen jedoch leider nicht in diesen Genuss. Dennoch macht der Anflug Spaß, nicht zuletzt weil der Flughafen aus der Ferne einfach sehr realistisch aussieht. Nach dem Verlassen der Piste fällt die schöne Modellierung der Gebäude auf, die sich konsequent durch die gesamte Szenerie zieht. Besonders angetan hat es mir das 2002 eröffnete Terminal 2, das von außen eher einer überdimensionalen Salatschüssel als einem Terminal ähnelt. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet, bravo. Das alte Terminal 1 ist eher unscheinbar und weniger hübsch, dennoch wurde auch hier schöne und saubere Arbeit geleistet. Belebt wird das Flugfeld durch eine Vielzahl statischer und dynamischer Objekte, dank AES Light tummeln sich auch hier viele Fahrzeuge, die dem ganzen etwas Leben einhauchen.

Die Landseite des Flughafens ist relativ schnell überblickt. Positiv auffallend ist die alleeartige Straße am Terminal 1, die die einzige Abgrenzung zwischen den ebenfalls modellierten Hotels und dem Flughafengelände ist. Die handplatzierten Bäume bestätigen hier auf jeden Fall das klischeehafte Bild einer französischen Allee – eine Straße, viele Bäume.

Dennoch gibt es natürlich auch Kritik. Das Luftbild hört direkt am Flughafenende auf und ist bei näherer Betrachtung unscharf und verwaschen, wie leider bei vielen Add-ons aus dem Hause Aerosoft. Andere Entwickler wie FS Dreamteam zeigen hier, dass es deutlich besser geht. Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich.

Nachtleben

Des Nachts grenzt sich Nizza deutlich von anderen Flughäfen ab, so gibt es beispielsweise keine Anflugbefeuerung. Der besondere Reiz bei Dunkelheit liegt in der Beleuchtung. Diese ist sehr stimmig umgesetzt und verleiht dem Flugplatz ein sehr angenehmes und realistisches Flair. Der Ausblick auf das dunkle Meer, den spärlich erleuchteten Flughafen und die aus vollem Glanze leuchtende Stadt ist auf jeden Fall einen Flug in den Abendstunden wert – besonders wenn man hinter den Bergen noch die Sonne untergehen sieht.

Zusammenfassend erschließt sich mir die Nachtbeleuchtung als durchaus realistisch, im Handbuch wird ebenfalls Bezug darauf genommen, dass Nizza virtuell wie real über keine Taxiway-Centerline-Beleuchtung verfügt – hier wurde an die Details gedacht.

Die Wintertapete kann man sich an der Côte d’Azur natürlich sparen, dennoch wäre ein anderer Grünton in der Fototapete schön gewesen. Der Unterschied zu Ground Environment Pro beispielsweise ist in der kalten Jahreszeit doch etwas zu deutlich.

Nizza – eine Reise wert?

Auf jeden Fall. Den besonderen Reiz in Nizza sehe ich nicht nur an der wunderschön gemachten Szenerie, sondern vor allem in der noch wunderschöneren Umgebung. Meer, Berge, die Stadt und ein sehenswerter wie komplizierter An- und Abflug geben dem Flughafen einen individuellen Touch. Über die teilweise problematische Fototapete kann man hinwegsehen, auch wenn Nizza dabei im Vergleich zu anderen Szenerien teilweise alt aussieht. Die Framerates waren bei allen Tests in einem angenehmen Rahmen und fielen nie unter die 25-fps-Marke. Wer also keine Probleme mit aktuellen Szenerien aus dem Hause sim-wings oder German Airports Team hat, sollte auch mit Nizza in einem vergleichbaren Bereich liegen. Von Deutschland in unter zwei Stunden erreichbar bietet Nice X mit seiner detaillierten und schönen Modellierung einen Anreiz für einen gemütlichen Feierabendflug bei einem schönen Glas Rotwein (sollten Sie im Cockpit sitzen, natürlich nur Traubensaft), um einen anstrengenden Tag schön ausklingen zu lassen.

Bon vol

Florian Venus